Bund für Geistesfreiheit

Veranstaltungen des bfg-Schweinfurt

Jahresbeginnfeier 2008
Mit anschließender Mitgliederehrung - Auszug aus dem Schweinfurter Tagblatt

Jahresbeginnfeier 2007
Vortrag von Prof. Dr. Herbert Wiener, 7.01.2007 in der Rathausdiele Schweinfurt

Jugend- und Frühlingsfeier 2006
Vortrag von Helmut Steuerwald am 9.4.2006 in der Rathausdiele Schweinfurt

Jahresbeginnfeier 2005
Vortrag von Helmut Steuerwald am 2.1.2005 in der Rathausdiele Schweinfurt

Jahresbeginnfeier 2003
Vortrag von Prof. Dr. Herbert Wiener am 29.12.2002 in der Rathausdiele Schweinfurt

bfg Schweinfurt spendet für Humanistischen Kindergarten




Jahresbeginnfeier 2007

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Crisantemi“, 1890 von Giacomo Secondo Puccini komponiert,  - dem letzten Spross der Musikerfamilie Puccini, die 1712 beginnend mit Giacomo Uno Puccini für 125 Jahre das Stadtorchester der toscanischen Stadt Lucca bestimmte -  dies war das Musikstück, das wir soeben gehört haben.

Crisantemi, das ist das italienische Wort für Chrysanthemen,  gilt als das klassische Stück für ein Streichquartett und entstand als Elegie für Amadeo de Savoy, den Herzog von Aosta. Puccini komponierte das Werk in einer einzigen Nacht. Giacomo Secondo Puccini war in seiner Familie nicht der genialste, wohl aber der erfolgreichste Komponist.

Aus seiner Feder stammen neben Messen und Requiems vor allem Opern und Operetten, wie ‚LeVillis’, ‚Edgar’, ‚Manon Lescaut’, ‚La Bohème’, ‚Tosca’, ‚Madame Butterfly’, ‚La Rondine’ oder ‚Il Trittico’.  

Liebe Gesinnungsfreundinnen und – freunde, werte Gäste!

Ein Jahreswechsel ist im allgemeinen auch Anlass, einen besinnenden und bewertenden Rückblick auf das vergangene Jahr zu werfen:

-       Auf den Januar mit seiner sibirischen Kälte und dem Eishallen-Einsturz in Bad Reichenhall , mit der geplanten Schließung des AEG-Werkes in Nürnberg, mit dem Beginn des Gammelfleisch-Skandals in Passau, dem koma-beding­ten Ausfall des israelischen Ministerpräsidenten Scharon,  Mozarts 250. Geburtstag – wir dürfen uns ja auf das von ihm stammende Streichquartett Nr. 13 noch freuen – und auf die 1. Enzyklika des Papstes Benedikt, die sich unter dem Titel ‚Deus caritas est’ auf dem Papier mit der Nächstenliebe befasst. Seine praktische Nächstenliebe lässt aber ein kirchliches ‚Ja’ zur künstlichen Empfängnisverhütung  immer noch nicht zu und nimmt damit die Gefahr der AIDS-Erkrankung billigend in Kauf.

-       An den Februar erinnert der massenhafte Protest der islamischen Welt gegen Mohammed-Karikaturen vom September 2005 in einer dänischen Zeitung, die unter anderem Mohammed mit einer Bombe anstelle eines Turbans auf dem Kopf zeigen. Bei den Protesten sterben 140 Menschen.

-       Im März  wird in Israel Ehud Olmert als Nachfolger Scharons Ministerpräsident und setzt die Kriegspolitik seines Vorgängers gegen die muslimischen Palästinenser im Gaza-Streifen und im Süd-Libanon fort.

-       Im April wird in Italien Roman Prodi neuer Ministerpräsident und löst damit den rechten Pressezaren Berlusconi ab, der sich aber erst im Mai geschlagen gibt. Im Irak weitet sich der Krieg der Schiiten gegen die Sunniten aus, es mehren sich die Selbstmordanschläge. In einer Moschee werden am 7. April 80 Menschen getötet.

-       Der Zeichentrickfilm ‚Popetown’ (= Vatikan) des Senders MTV ver­anlasst das Erzbistum München und Freising die Ausstrahlung durch eine einstweilige Verfügung zu verhindern. Das Landgericht München schloss sich jedoch dieser Auffassung nicht an

-       Der Mai beginnt mit dem Bundestags-Beschluss, die Mehrwertsteuer ab dem 1.1.2007 auf 19% festzusetzen. Deutsche Soldaten werden als Teil einer EU-Schutztruppe als Wahlaufsehen in den Kongo entsandt.

-       Der Juni beschäftigt den bayerischen Bürger durch den Abschuss des aus Italien gekommenen Braunbären Bruno. In einen wahren Freudentaumel aber fällt ganz Deutschland durch die unerwarteten Erfolge der Klinsmann-Elf bei der am 9. Juni beginnenden Fußball-WM. Mit der Unterbringung der tunesischen Nationalmannschaft ist auch die Stadt Schweinfurt hautnah im WM-Fieber dabei. Würzburg beherbergt die Mannschaft aus Ghana, Bad Kissingen die aus Ecuador und  Bad Brückenau die Kroaten. Die Fußball-WM hat nach Auffassung vieler Beobachter sehr viel zur internationalen Verständigung der Menschen beigetragen.

-       Der Juli beginnt mit religiös motivierten Terroranschlägen im Bombay mit über 200 Todesopfern, Muslime gegen Hindus.  Am 12. Juli greift die israelische Armee nach der Entführung 2er Soldaten Hisbollah-Stellungen an und marschiert in Libyen ein. Bei dem 5-wöchigen Krieg sterben über 1.000 Menschen, rund 4.000 werden verletzt, die meisten von ihnen sind Zivilisten. Die NATO bekämpft mit UN-Mandat Taliban-Rebellen in Süd-Afghanistan. 

-       Im August tritt die erneut geänderte Rechtschreibreform in Kraft, die Benzin- und Gaspreise steigen auf Rekordhöhen, die Deutsche Wirtschaft ist voll im Aufschwung und Klimaforscher warnen anhand von schmelzenden Gletschern  von den Folgen der Erderwärmung. Die Erdbevölkerung wird mit 6,6 Mia Menschen geschätzt.

-       Der September steht im medial groß aufgemachten Besuch des Papstes in Bayern. Für den Inhalt seiner Predigten und Reden gibt es kaum Beifall, die Fernsehkameras übertragen vor allem Händeschütteln, das Küssen von Kindern, fließende Tränen und Hochrufe bei den Durchfahrten durch die Menge. Nicht nur der Bayerische Ministerpräsident, auch jede Menge anderer Politiker zumeist einer sich selbst christlich nennenden Partei, sonnen sich mit in dem Medienecho. Stoiber nennt die Außenwirkung des Besuches ‚unbezahlbar’.

-       Die islamische Welt jedoch ist aufgebracht über ein abfälliges Zitat über Mohammed bei einer Vorlesung des Papstes in der Regensburger Residenz.  Dies führt zu Massenprotesten in der islamischen Welt und sogar zu Morddrohungen. Der Papst macht später einen Rückzieher bei dem Türkeibesuch im November. Wegen befürchteter islamistischer Anschläge wird in Würzburg die Mozartoper ‚Idomeneo’ abgesagt, weil der König von Kreta hier die enthaupteten Köpfe der Götter Poseidon, Jesus, Buddha und des Propheten Mohammed in die Höhe hält.

-       Im Oktober erhält die UNO mit Ban Ki Moon einen neuen Generalsekretär, der Kofi Annan nach zwei Amtszeiten ablöst. Nordkorea führt am 8. Oktober einen Atomwaffentest durch, was von der UNO mit einem Handelsembargo für einschlägige Waren beantwortet wird.

-       In Russland gerät Putin in Verdacht in einem Zusammenhang mit der Ermordung einer kritischen Reporterin zu stehen. Die deutsche Öffentlichkeit wird durch Fotos deutscher Soldaten in Afghanistan mit Totenköpfen schockiert. Die Fotos stammen aus den Jahren 2003 und 2004 und beschädigen das bislang gute dortige Ansehen der Bundeswehr.

-       Die Hartz-4-Gesetze sorgen für hitzige Diskussionen im Bundestag, das Wort „Prekariat“ wird geboren, eine Kombination aus ‚Prekär’ und ‚Proletariat’. Gemeint ist damit eine wachsende Unterschicht, in der die Menschen die Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen aufgegeben haben.

-       Im November verhängt ein irakisches Sondertribunal die Todesstrafe für den Exdiktator Saddam Hussein durch Erhängen. Es wurde vor kurzem vollstreckt. Die Gewalt im Irak dauert an, allein im Oktober sind nach Angaben der UN-Hilfsmission 3.700 Menschen, zumeist Kinder und Zivilisten, getötet worden.  Hauptgrund sei die Gewalt zwischen den Religionsgruppen Sunniten und Schiiten.

-       Positiver ist die Meldung des Rückgangs bei den Arbeitslosen auf knapp unter 4 Millionen. Der Siemenskonzern sowie Mitglieder des VW-Vor­stan­des geraten immer tiefer in einen Schmiergeld-Skandal. Im Wirtschaftsstrafverfahren gegen Manager im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone, bei der sie insgesamt 57 Mio € an Prämien und Pensionen kassiert hatten, kommt es gegen Geldauflagen zur Prozesseinstellung.

-       In London stirbt ein als Kreml-Kritiker bekannte Agent an einer Polonium-Vergiftung. In Verdacht gerät der russische Geheimdienst, was wiederum das Ansehen von Staatschef Putin belastet. Bei seinem Besuch in der Türkei und beim Gespräch mit dem Chef der türkischen Religionsbehörde sowie beim griechisch-orthodoxen Patriarch Bartholomäus I kommt es zu einer Entspannung des Verhältnisses zwischen den Religionen.

-       Der Dezember bringt  den Menschen auf den Philippinen durch einen Taifun eine Schlammlawine mit über 1.000 Toten.  In Deutschland ist es über Weihnachten herbstlich warm. Und das Weihnachtsgeschäft bringt unter dem Klang der Weihnachtslieder die höchsten Umsätze. Aber am meisten wird über das Wetter gesprochen, wie schrecklich doch ein Weihnachten ohne Schnee sei.

-       Interessant ist, dass eine Umfrage der Bild-Zeitung ergeben haben soll, dass ca. 40% von 1.000 befragten Jugendlichen nicht mehr gewusst hätten, worum es beim Weihnachtsfest eigentlich gehe. Unbeschadet der Tatsache, dass ein Boulevardblatt  alles andere als ein Garant der Wahrheit ist, so ist sicher ein Funke Wahrheit daran.

Aber was ist Weihnachten eigentlich?

Ursprünglich ein altes Winterfest unserer Vorfahren, der Germanen, um vom 26. Dez. bis 6. Jan. die geweihten längsten Nächte des Jahres zu begehen. Das christliche Weihnachtsfest als Fest der Geburt Christi im Morgenland wurde erst am 6. Januar in Rom und später mit der Kalenderreform am 25. Dez. an Stelle des Festes der Wintersonnenwende, des ‚Sol invictus’ oder nach dem altpersischem Lichtgott, auch Mithras-Fest genannt, gefeiert.

Wenn man dem aktuellen Stand der Forschung folgt, so muß man sich eingestehen, dass die Weihnachtsgeschichten in der Bibel  von der Geburt des Gottessohnes Jesus historisch nicht belegbar sind. Ich zitiere einige Aussagen des Theologen und Historikers Prof. Dr. Gerd Lüdemann:

-           Eine Schätzung von Vermögen und Personen unter Kaiser Augustus im gesamten römischen Reich ist durch kein Original-Dokument belegbar.

-           Es sind keine Dokumente vorhanden, die das Vorhersagen des Kommens Jesu im Alten Testament durch Propheten stützen.  Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass die wirklichen Aussagen durch zig-fache Überlieferungen und durch die Übersetzungen von Dialekten in hebräisch, griechisch und lateinisch den heutigen Bibeltexten in keiner Weise entsprechen.

-           Nach derzeitigem Wissensstand der Biologie und aller bisherigen Erfahrung bedarf die Erzeugung eines Säuglings der Vereinigung einer Eizelle mit einer Samenzelle. Die Jungfrauengeburt Mariens vor 2000 Jahren ist wissenschaftlich unhaltbar und wird von den Forschern zum einen mit einem Übersetzungsfehler aus dem hebräischen ins griechische erklärt, zum anderen mit dem Wunsch christlicher Theologen, der Jesus-Geburt analog zur ägyptischen Mythologie einen überirdischen Mythos zu geben.

-           Selbst in christlich orientierten Evangelien ist Nazareth und nicht Bethlehem der Geburtsort von Jesus. Und die christlichen Kalender widersprechen sich in der Angabe des Datums von Mariä Empfängnis mit dem 9 Monate späteren Geburtstermin, der nicht an Weihnachten liegt.

-           Die Hirten auf dem Felde wurden zu Idealpersonen einer Weihnachtslegende hochstilisiert, ebenso die Könige aus dem Morgenlande.  Wenn dann tatsächlich im Fernsehen unter dem vorgeblichen Titel eines wissenschaftlichen Berichtes dargelegt wird, dass es zwar nicht Könige, wohl aber Magier und Zauberer gegeben habe, die nach Bethlehem gekommen seien, so ist das schlichtweg beschämend für die Personen, die sich wissenschaftlich ausgebildet nennen. Sie dienen nur der gut bezahlten Verfestigung einer Legende

-           Den Stern von Bethlehem als möglichen Kometen hat es zum Zeitpunkt 0 unserer Zeitrechnung nachweislich nicht gegeben.  Sein Erscheinen in der Bibel ist der Übersetzung nach auf die Erzählung eines Wunders begründet.

-           Von einem Kindermord auf Befehl des Herodes ist aus keiner wissenschaftlichen Quelle her zu schließen. Vielmehr geht man davon aus, dass die hohe Kindersterblichkeit dieser Zeit, häufig verursacht durch unglaublich schlechte hygienische Zustände, aber auch durch Hungersnöte, dazu geführt hat, dass spätere Bibelübersetzer ein besonders schreckliches Jahr mit der bösen Absicht des ungeliebten römischen Imperiums in Verbindung gebracht haben.

Prof. Lüdemann kommt zu dem Schluss, dass die Weihnachtsgeschichten der Bibel, wie sie von den Kirchen heute verbreitet werden, nichts als Legende sind und der Glaubwürdigkeit nicht dienen.  Deswegen braucht man Weihnachten nicht abschaffen. Vielmehr sollte man sich wieder auf den Ursprung des Weihnachtsfestes als Tage der Besinnung, des Lichtes und des Friedens in Zusammenhang mit den längsten Nächten des Jahres besinnen. Und diesen Inhalt könnte man genauso festlich begehen.

Thema meines Vortrages ist ja  „Glaube - Religion – Macht“. Der Glaube setzt ja im Allgemeinen dort ein, wo die wissenschaftlich untermauerte Logik an ihre Grenzen stößt. Gleichwohl ist das Wort „Glaube“ nicht nur mit negativen anti-wissenschaftlichen Einstellungen verbunden, sondern wird auch im übertragenen Sinn für  eine festen Überzeugung gebraucht, - z. B. in der Aussage „ich glaube an das Gute im Menschen“ oder „ich glaube, dass wir diese Aufgabe bewältigen können.“

Heute erleben wir, dass in Amerika sogenannte Kreationisten die Evolutionstheorie von Darwin bezweifeln und den Kindern lehren, dass der Mensch, Tiere, die Pflanzen und Welt gemäß der wortwörtlichen biblischen Schöpfungs­geschichte am 23. Oktober 4004 v. Chr. von Gott selbst innerhalb von 7 Tagen erschaffen wurden. Nach einer Gallup-Umfrage 2005 glauben mittlerweile fast 60% der Amerikaner an die Schöpfungsgeschichte, unter dem Marketingnamen „Intelligent Design“ und nur ein Drittel an die Evolution.

Doch wenn Glaube zur Religion wird und dabei den Willen zur Wahrheitsfindung ersetzt, gibt es auch keinen Spielraum für Verständigung und Toleranz mehr. Und dann geht es nur noch um die Macht, die eigenen Interessen durchzusetzen und es bleibt in der Auseinandersetzung nur noch der Weg der Gewalt, der Weg von Terror und Krieg, - so wie es im Jahresrückblick deutlich wurde.

Und in diesem Sinne sieht sich jeder als Glaubenskämpfer, sowohl der UNO-Soldat als auch der Taliban-Kämpfer, sowohl der Israeli als auch der Hisbollah-Kämpfer, sowohl der Pakistani als auch der Inder, und auch der russische Soldat mit seinem Gegenpart, dem tschetschenischen Freiheitskämpfer, der Serbe und der Kosovo-Albaner.

Während bisher die als Glaubenskrieg getarnte Machtgier in einer Katastrophe endete, die immer noch ein Überleben sicherte, wird dies in Zukunft  angesichts der ungeheuren atomaren, chemischen und biologischen Vernichtungspotentiale eher unwahrscheinlich sein.

Es bleibt zu hoffen, dass insbesondere die Jugend versuchen wird, die als Glaubens- und Religionskriege getarnten Machtkämpfe zu durchschauen und schrittweise zu überwinden. Hier liegt auch eine Chance und eine Aufgabe für unseren Bund, auf unsere global ausgerichteten Ziele aufmerksam zu machen

·     ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben für die Menschen aller Völker, Rassen und Nationen dieser Erde zu erreichen, und zwar im Diesseits! ,

·     die freie Entfaltung aller Weltanschauungen und politischen Systeme zu fördern, soweit ihnen nicht totalitäres Denken und Unterdrückung anderer zugrunde liegen,

·     und die natürlichen Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen für uns und unsere Nachkommen zu erhalten.

Aber wir wissen alle: Was sich über Generationen in den Menschen verfestigt hat, ist nicht innerhalb weniger Jahre wieder rational zurechtzurücken.

Darum brauchen wir Mitglieder die sich zu diesen Grundsätzen und Aufgaben bekennen und wir haben heute die ehrenvolle Gelegenheit vielen dafür zu danken, dass sie diesen wichtigen Weg seit vielen Jahren mitgehen.

Als sich unsere Jubilare Ilse Dötsch, Martha Holz, Adele Schilling, Elsbeth Amend, Irma Wichtermann, Loni Lechner und Kurt Sauerteig, die heute für 60-jährige Mitgliedschaft geehrt werden -  im Jahre 1946 entschlossen, dem Bund für Geistes­frei­heit beizutreten, hat Nationalsozialismus mit seinem Glauben an den Sieg der arischen Rasse Deutschland in Schutt und Asche gelegt, die Ursachen für weiteres Unrecht durch Flucht und Vertreibung geschaffen.

In Nürnberg wurden die Hauptkriegsverbrecher hingerichtet, in der US-Zone folgte durch sog. Spruchkammern die Ent-Nazifie­rung mit oftmals zweifelhaften Ergebnissen.  Der Eiserne Vorhang entsteht, auf Konrad Adenauer und Kurt Schumacher ruht die Hoffnung der Überlebenden. Gerhart Hauptmann  verstirbt, Erich Kästner schreibt ‚Das fliegende Klassenzimmer’, Ignaz Schön wird erster gewählter Oberbürgermeister in Schweinfurt.

10 Jahre später, im Jahre 1956 werden  Hans Oppmann, Ludwig Böhnlein, Sonja Dietel, Anton und Helga Fröhlich, Klaus Kieling, Lissy Metzner, Christel Sauer, Walter Schleyer, Walter Schott, Traudel Steinmüller, Günter Weichsel, Betti Sell und Maria Wehner  geprägt vom Wiederaufbau und vom Wirtschaftswunder,  Mitglied  unserer Gemeinschaft.

Adenauer ist Kanzler, Strauß Verteidigungsminister,  aus der SBZ ist die DDR mit der „Nationalen Volksarmee“ entstanden, Chruschtschow rechnet mit Stalin ab, zeigt aber bei der Niederschlagung des Ungarnaufstandes seine Härte. Bertold Brecht verstirbt und Elvis Presley feiert phänomenale Musikerfolge.

In Schweinfurt wird der bisherige 2. Bürgermeister Georg Wichtermann mit großer Mehrheit zum OB gewählt. Die Kugellagerindustrie läuft wieder auf Hochtouren und beschäftigt über 20.000 Arbeitnehmer.

Wieder 10 Jahre später, im Jahre 1966 bekennen sich Marianne Ehresmann und Gerda Raab zu unserer Gemeinschaft. In der Wirtschaft kriselt es, die große Koalition unter Kanzler Kurt-Georg Kiesinger und dem Außenminister Willy Brandt beginnt. Es beginnt die Zeit, in der unter Willy Brandt und später Helmut Schmidt Deutschland wieder zu einem geachteten Partner der Staatengemeinschaft in aller Welt wurde.

Die US-Sonde Surveyor  und  russische Kapsel Luna 9 landen weich auf dem Mond und funken Bilder zur Erde.

In Schweinfurt führt OB Georg Wichtermann das Regiment. Er fördert Bildung und Wissenschaft nach Kräften und holt 1963 die technischen Studiengänge der Fachhochschule in die Industriestadt. Schweinfurt hat zu dieser Zeit bereits 55.000 Einwohner und 12.000 US-Soldaten in den Kasernen.

Im Jahre 1981 schließlich trat Renate Guggenbichler unserer Gesinnungsgemeinschaft bei. Die Bundesrepublik war durch den Nato-Nachrüstungs­beschluss gespalten, Helmut Schmidt war Bundeskanzler, die RAF betrieb ihren Terror und der Kampf gegen die Atomenergie und die Wiederaufarbeitung wurde immer heftiger geführt. In London findet die Hochzeit des Jahres zwischen Prinz Charles und Lady Diana Spencer, genannt ‚Di’ statt.

In Schweinfurt hatte Kurt Petzold den aus Altersgründen ausscheidenden Georg Wichtermann als OB abgelöst und die Frage der Atomenergie spielte wegen des Baues des Atomkraftwerkes in Grafenrheinfeld auch hier eine große Rolle. Der Wiederaufbau war weitgehend abgeschlossen und in der Industrie begannen sich die ersten Anzeichen eines Konjunktureinbruches abzuzeichnen.

Wie Sie sehen, umspannen unsere heutigen Jubilare fast den gesamten Zeitraum der Nachkriegszeit bis zum heutigen Tage. Der Einsatz für unsere Ziele ist durch den Zeitgeist „Geiz ist geil“, durch die Globalisierung  und die damit verbundene Entsolidarisierung, durch neue Götter und Götzen , nicht einfacher geworden.

Ich danke den Jubilarinnen für Ihren Einsatz und wünsche uns allen weiterhin  kleine aber kontinuierliche Schritte hin zur Verbesserung unseres globalen  Zusammenlebens und allen weiter ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2007.



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Jugend- und Frühlingsfeier 2006


Helmut Steuerwald

 

Mensch sein

unter Menschen

Jugend- und Frühlingsfeier

 

 

 

Jugendfeier für

David F.

 

 

Bund für Geistesfreiheit (bfg) Schweinfurt 

Sonntag,  9. April 2006

Diele des Alten Rathauses der Stadt Schweinfurt


<Wofür ich bin>

Was schert mich das schönere Jenseits?

Ich bin für ein bessere Diesseits.

Ich pfeife aufs ewige Leben.

Ich kämpfe ums Überleben.

Ich glaube nicht

Ich denke,

ich bete nicht,

ich tu was.

Ich suche nicht

Die Erlösung vom Übel,

ich suche die Lösung

der akuten Probleme.

Dafür krieche ich

Nicht zu Kreuze,

dafür setze ich mich

aufrecht ein.[1]

 

Sehr geehrte Gäste,

liebe Gesinnungsfreundinnen und Gesinnungsfreunde!

Lieber David, einziger Teilnehmer an der Jugendfeier in diesem Jahr!

Ich begrüßte Sie alle mit dem Gedicht „Wofür ich bin“ von der vor wenigen Jahren verstorbenen freigeistigen Dichterin Kriemhild Klie-Riedel. Im Gedicht wird der Unterschied unserer Weltanschauung gegenüber religiösen Glaubensrichtungen aufgezeigt.  Wir gestalten auch unsere Feiern anders und sind dem Diesseits verpflichtet.

Wir begehen hier die traditionell gewordene Frühlingsfeier, heute verbunden mit der Jugendfeier für David, den ich nochmals besonders begrüßen möchte.

Jugend und Frühling gehören ja zusammen, Frühling des Lebens mit Wachstum, Neugestaltung – und mit Wünschen und Erwartungen.

Lassen Sie mich zunächst auf die Jugendfeier oder auch Jugendweihe eingehen, wie sie nach altem Brauch ebenfalls genannt wird. Es ist eine Tradition, die weit über 100 Jahre zurückgeht, dass nämlich Jugendliche ohne religiöse Bindung an Jugendweihen oder Jugendfeiern teilnehmen können. Die Tradition reicht bis in die Zeit des Vormärzes, also bis in die Tage vor der bürgerlichen Revolution von 1848 zurück. Damals entstand u. a.  die freireligiöse, freigeistige, freidenkerische Bewegung. In den ersten Jahren hießen Jugendfeiern in Anlehnung an die Kirchen oft noch Konfirmationen. In Schweinfurt dürfte es seinerzeit auch  so gewesen sein (obwohl wir keine genauen Unterlagen besitzen), als die hiesige Freie Gemeinde - heute Bund für Geistesfreiheit - sich 1849 entwickelte und ihr berühmt gewordener Sprecher Carl Scholl, ein bekannter Feuerbachianer und später auch guter Freund Ludwig Feuerbachs hier wirkte. Unsere Gemeinschaften waren schon damals von der Philosophie der Aufklärung stark beeinflusst, vor allem eben auch von dem deutschen Philosophen Ludwig Feuerbach. So hieß es zu solch einer Feier bereits 1851 in einer Schrift:

Die Freie Gemeinde kann "nicht alljährlich eine Anzahl Schäflein in ihre Hürde einzuführen trachten, sondern nur offen lassen ihre Pforte dem freien Eintritt des freien Menschen...  Sie kann das nicht ... , weil sie nicht Gläubige und nicht Diener, sondern Denkende und Freie, weil sie nicht fangen, sondern überzeugen will."[2] 

Dieser Haltung sind wir bis heute treu verbunden. Wir denken nicht daran zu missionieren – wir wollen keine Gläubigen – wir wollen selbstständig denkende, verantwortungsbewusst handelnde Menschen in unseren Reihen und nehmen solche Menschen gerne auf. Unsere Weltanschauung baut auf Verstand und Vernunft auf, und es ist sicherlich nicht immer ganz leicht in freigeistigen Organisationen mitzuwirken, da wir keine Dogmen kennen.

Unsere Jugendfeiern beziehungsweise Jugendweihen haben durch den Hitlerfaschismus an Bedeutung verloren und lebten danach auch bei uns im Westen nur beschränkt wieder auf - wenn man von Großstädten wie Hamburg und Berlin absieht, wo sie immer Bestand hatten. In der ehemaligen DDR war das anders, allerdings hatten die Jugendweihen dort einen ganz anderen Charakter. Sie hatten z. T. problematische Züge, wurden vom Staat unterstützt, ja waren mit staatstragend. Nach dem Zusammenbruch der DDR blieben sie aber als selbstständige, unabhängige Feiern erhalten, bekamen eine neuen Charakter, eine andere Gestalt und haben bis heute große Bedeutung für nicht-religiöse Menschen.

So nahmen zum Beispiel im von der CDU regierten Sachsen im Jahr 2004 nur 12 % an der ev. Konfirmation teil, 3 % an der katholischen Kommunion, aber 60 % aller Jugendlichen im entsprechenden Alter nahmen an Jugendweihen / Jugendfeiern teil, und zwar trotz massiver Gegenwehr der staatlich unterstützten Kirchen. Die restlichen 25 % wollten keine öffentlichen Feiern.

Wir in Bayern stehen da hinten an: Feiern gibt es vor allem in Nürnberg mit ca. 50 Jugendlichen pro Jahr, in München und in ein paar wenigen anderen Städten.

Unabhängig davon ist festzustellen: Die Menschen, die keiner Kirche angehören oder überhaupt keine Religion haben, nehmen weltweit gewaltig zu. Heute sind das etwa 20 % der Weltbevölkerung. (Trotz der Zu-nahme von religiösem Fanatismus.)

Tatsache ist, dass  vor gut 100 Jahren nur etwa 1 % der Weltbevölkerung kirchen- oder religionsfern waren. In gut 100 Jahren also eine Zunahme um das 20-fache!

Bei uns in Deutschland ist diese Zunahme ebenfalls erkennbar. Die Kirchenfreien machen heute mehr als 1/3 der Bevölkerung aus. Wir haben Bundesländer wie Brandenburg, wo etwa 80 % keiner Kirche angehören.

Die Kirchenaustrittswellen gehen nicht einmal an Bayern vorbei. Der Prozentsatz der Konfessionslosen stieg hier von 3,5 % im Jahr 1970 auf 18,2 % im Jahr 2004. Welch ein gewaltiger Zuwachs! Nun, unsere Regierung und unsere Medien in Bayern versuchen vor dieser Tatsache die Augen zu verschließen. Den konfessionslosen Menschen wird nicht mehr Bedeutung in Politik oder Medien eingeräumt als vor 30 Jahren. Das muss anders werden!

Wir sollten auch unsere Jugendfeiern in Bayern bekannter und attraktiver machen, sie öffnen für alle Jugendlichen, die keiner Konfession angehören. Es ist ein guter Brauch, für und mit Jugendlichen zu feiern, schon weil es die Generationen untereinander verbindet. Wenn Jugendliche ins Erwachsenenalter eintreten, ist es auch heute sinnvoll, ihnen zu Ehren eine Feier zu gestalten.

Als Jugendlicher mit 14 Jahren hat man nun auch vor dem Gesetz mehr Pflichten und Verantwortung. So beginnt mit diesem Alter auch die Strafmündigkeit , d. h. man wird für Schäden, die man anrichtet zivilrechtlich verantwortlich gemacht. Vor allem beginnt aber mit 14 die volle Religions-  und Weltanschauungsmündigkeit. Mit 14 kann man selbständig entscheiden - auch gegen den Willen der Eltern - ob man aus der Kirche austreten, seinen Glauben wechseln oder auch in die Kirche eintreten will, was von aufgeklärten kritischen Jugendlichen allerdings kaum zu erwarten ist.

Mit der Jugendfeier wollen wir mit den Jugendlichen feiern, dass sie zu erwachsenen Menschen heranreifen, dass man von ihnen mehr Verantwortung erwartet und sie nun auch mehr Rechte haben.

Wir wünschen dir mit dieser Jugendfeier, lieber David, auf deinem sehr persönlichen Weg viel Erfolg!

Dein Weg wird nicht leicht sein.

Wir wissen, was das Leben junger Menschen schwieriger macht: eine rücksichtlose, freie globalisierte Marktwirtschaft mit mangelnden Ausbildungsplätzen und hoher Arbeitslosigkeit; immer höheren Kosten und andere  Barrieren beim Studium und in der Fortbildung. Hinzu kommen  Überflutung und Überreizung durch kommerzialisierte oberflächliche Medienanbieter, die nur darauf aus sind Geld zu machen.  Mit zum Teil grausamen und rücksichtslosen Computerspielen - auch auf Handys -  und entsprechenden Filmen lenken diese Medien von der Wirklichkeit des Lebens ab, erziehen zur Brutalität und Rücksichtslosigkeit.

Lieber David: Sei wachsam, sei kritisch, lass dir nichts vormachen! Weder von Politikern noch von Anbietern, die nur knallharte Wirtschaftinteressen verfolgen. Sie wollen nur an dein Geld und das deiner Familie.

Jugendliche werden zunehmend vor allem von der Wirtschaft, aber von der Politik und durch religiöse Machenschaften missbraucht. Sei  besonders auch gegenüber den Medien kritisch, die dich immer mehr abhängig, ja süchtig machen wollen und dir den Realitätssinn nehmen. Phantasie ist sicherlich etwas Schönes, etwas Wichtiges im Leben – keine Erfindung entsteht ohne Phantasie. Bleibe trotzdem am Boden der  Tatsachen, sehe den Realitäten des Lebens ins Auge, und lass dir nichts vormachen! Du bekommst im Leben selten etwas geschenkt, das meiste musst du dir erkämpfen durch Arbeit, mit Studium und Wissen, durch Fleiß und Zähigkeit. Benutze dabei nicht die Ellenbogen, sondern zeige dich solidarisch. Gemeinschaftssinn ist etwas Schönes, Wertvolles, ob in Jugend-, Sport-, Familien- oder Freundesgruppen. Suche die Schönheiten des Lebens in der Wirklichkeit selbst, da findest du sie auch.

Vergiss aber dabei nicht, dass es viele kann ganz toll sein. Du musst es nur richtig anpacken. Stell dir selber Aufgaben, die dich befriedigen, die dir auch Freude machen, aber auch anderen Freude bringen. Sei vergnügt und voll Frohsinn, aber natürlich nicht auf Kosten von anderen. Du wirst sehen wie schön das Leben sein kann, wenn man sich engagiert für eine gute Sache.

Der kritische Philosoph Michael Schmidt-Salomon hat im letzten Jahr 10 Angebote des evolutionären Humanismus herausgestellt und sie zur Diskussion gestellt. In diesen 10 Thesen ist viel Sinnvolles und Nachdenkenswerte für alle freigeistigen Menschen, für uns alle und natürlich auch für Dich, lieber David.

Ich möchte seine Angebote kurz nennen und sie Dir mit auf den Weg geben:

Diene weder fremden noch heimischen "Göttern", sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern!

Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten!

Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!


 

Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn

es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale

der Humanität durchzusetzen!

Befreie dich von der Unart des Moralisierens!

Immunisiere dich nicht gegen Kritik!

Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Zweifle aber auch am Zweifel!

Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst!

Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben!

Stelle dein Leben in den Dienst einer "größeren Sache", werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en!“[3]

Wir alle wünschen Dir, lieber David, ein gutes, sinnvolles, schönes, erfolgreiches Leben in einer friedlichen Welt. Soweit zu deiner Jugendfeier.

Jugend, Frühling, neue Hoffnungen gehören zusammen, und dies nicht nur im übertragenen Sinne.

Unsere Aufgabe als freigeistige, als humanistisch denkende Menschen ist es, uns mit der Jugend zu solidarisieren, Gemeinschaftsgeist zu entwickeln, ohne erhobenen Zeigefinger Hilfen zu geben. Es geht auch darum, die Jugend zu fordern ohne zu überfordern. Unterforderung ist für die Erziehung genau so schlimm wie Überforderung. Geben wir den Jugendlichen echte Hilfen, damit sie ein sinnvolles, selbständiges, humaneres Leben führen können.

Wir alle freuen uns nach diesen langwährenden kalten Monaten auf einen schönen Frühling, einen schönen Sommer.

Wir hoffen auf eine gute Zeit für jeden Einzelnen wie für alle anderen Menschen. Es soll ja laut Wirtschaftsprognosen aufwärts gehen in Deutschland - doch trifft das auch auf die große Mehrheit des Volkes zu? Auf die arbeitenden einfachen Menschen, auf die Arbeitslosen, auf die Jugendlichen, auf die Rentner? Schön wäre es!

 Aber täuschen wir uns nicht: Ein wirklich neuer Frühling für unsere Welt steht nicht bevor. Kriege, Unmenschlichkeit, Not und Armut, Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildungsmöglichkeiten bei so vielen ― und unendlicher Reichtum bei einigen wenigen. Das beherrscht weiter unseren Alltag. Unsere Aufgabe als freigeistige Menschen und Humanisten ist es, gegen Missstände und vor allem für Frieden zu wirken. Unsere Welt muss humaner gestaltet werden, wenn sie nicht dem Untergang geweiht sein soll.

Die zunehmenden Gegensätze zwischen Arm und Reich sind der Hauptgrund für Brutstätten des Terrorismus. Sie fördern den Fanatismus, den Hass gegen die Ungerechtigkeit. Wir hören immer wieder von „oben“, dieser „Futterneid“ sei primitiv. Angeblich würde es ja den Unteren besser gehen, wenn es auch den Oberen wirtschaftlich gut gehe. Dies ist eine ungeheuere Lüge, die nur dazu dienen soll, die gegenwärtige unmenschliche, globalisierte schein-liberale Wirtschaftsordnung zu zementieren. Nur ein Beispiel: Wir haben alle gehört vom Gehalt des Bundesbankdirektors Josef Ackermann mit jährlich fast 12 Millionen Euro. Was er so nebenbei noch mitnimmt aus Aktiengewinnen, Nebenjobs u.a. ist unbekannt. Dabei gehört der gute Mann nicht einmal zu den reichsten Bürgern unseres Landes. Wir haben viele Tausende andere Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte mit ähnlichen Gehältern, bzw. ähnlichen Einnahmen in Deutschland. Ackermann ist beileibe kein Einzelfall. Die Gehälter von Ackermann und seinesgleichen sind in den letzten Jahren gewaltig gestiegen, 10 % und mehr pro Jahr sind keine Seltenheit. Dafür werden ja in diesen Firmen die Arbeitsplätze gestrichen, es werden längere Arbeitszeiten verlangt. Aber wie gesagt, ja keinen Futterneid.

Bleiben wir beim Beispiel Ackermann. Denken wir spaßeshalber folgendes: Rationalisieren wir den Posten von Ackermann weg, und die anderen Vorstände übernehmen seine Arbeit mit bei gleichem Gehalt. Für das Monatsentgelt eines Ackermann könnte man immerhin 500 Arbeitsplätze schaffen bei einem Gehalt von je 2.000 Euro monatlich. Aber nach der Denkweise der Wirtschaftsbosse ist ja die Stelle Ackermann wichtiger als 500 Arbeitsplätze. Nun, wenn man die Gehälter aller Vorstände und Aufsichtsräte der Großkonzerne sagen wir mal um 50 % kürzen würde, dann könnte man damit Hunderttausende Arbeitsplätze bezahlen. Trotzdem würden diese Spitzenpersonen der Wirtschaft immer noch so viel verdienen, dass sie superreich blieben. Aber es heißt ja immer wieder: nur kein Futterneid. Das ändern zu wollen geht natürlich nicht, denn, wie unsere Wirtschaftfachleute immer wieder betonen, sind in Deutschland Direktoren und Vorstände immer noch unterbezahlt gegenüber anderen Ländern, etwa den USA. Sie sollen doch auf gleicher Augenhöhe wirken können.

Man macht sich so seine Gedanken: Unsere Spitzenpolitiker verdienen nach unser Auffassung doch recht viel, ja zuviel. Nehmen wir unsere Bundeskanzler bzw. nun unsere Bundeskanzlerin mit einem Monatsgehalt von ca. 17.000 €, das ist eine ganz schöne Menge. Aber nur keinen Futterneid: Denn wie gesagt, Ackermann bekommt monatlich eine Million, da sind die paar Euros, die ein Bundeskanzler verdient nur Peanuts; sie machen ja nicht einmal 2 % des Gehalts eines Ackermann aus.

Geld regiert die Welt, sagt man. Dann fragt man sich schon, wer die Politik im Land bestimmt. Die Politiker oder die Wirtschaftsbosse? Haben wir eine Demokratie oder eine Plutokratie?

Es wird höchste Zeit, dass die Schere zwischen Arm und Reich sich nicht noch weiter öffnet, sondern schließt, dass nämlich Reichtum zur Verantwortung für Staat und Gesellschaft herangezogen wird. Deutschland ist in wenigen Jahren vom 5. Platz der Milliardäre – also der Menschen die mindestens 1000 Millionen Dollar besitzen – auf den 2. Platz gerückt. Ist das der wirtschaftliche Fortschritt?

Nein, wir müssen dafür sorgen, dass es in der Welt, dass es in Politik und Wirtschaft wieder menschlicher zugeht - vor allem natürlich auch bei uns in Deutschland. Andernfalls gehen wir einer katastrophalen Entwicklung entgegen. Vorboten gibt es genug. Der weltweite Terrorismus hat sicherlich mehrere Ursachen, zu allererst geschieht er vor einem wirtschaftlichen Hintergrund. Not und Elend, Arbeitslosigkeit, die Bildungsmisere, Familienfeindlichkeit der Gesellschaft, die Perspektivlosigkeit und die Unsicherheit gegenüber der Zukunft, mit der unsere Jugend leben muss, sind Brutstätten für Gewalt und Chaos.

Tun wir alles, dem entgegenzuwirken, damit es wieder humaner wird.  Verdammen wir fanatisches, starres Denken in Wirtschaft, Politik und natürlich erst recht bei religiösen Anschauungen. Als freigeistiger Verband liegt ja auf letzterem unser Schwergewicht.

Ich möchte hier klarstellen: Wir freigeistigen Menschen haben nichts gegen religiöse Überzeugungen, soweit sie human sind. Wir haben nichts gegen die Gläubigen, wir haben auch nichts gegen religiöse Vereinigungen, soweit sie nicht irgendwelche Sonderrechte haben oder fordern. Wenn beispielsweise in Brandenburg mit der katholischen Kirche ein Konkordat abgeschlossen wird, mit einer Kirche mit nicht einmal 80.000 Angehörigen, und diese jährlich 1,2 Millionen Euro vom total verschuldeten Staat zugeschustert bekommt, während die nichtkirchlichen Verbände leer ausgehen, so ist das keinesfalls einzusehen. Vor allem dann nicht, wenn man weiß, dass in Brandenburg 80 % der Bevölkerung kirchenfrei sind. Die nichtgläubigen Bürger, Steuerzahler, sollen das Geld auch dafür aufbringen, dass sie wieder re-missioniert werden sollen. Wie pervers! In Bayern stiftet der Staat 1 Million Euro, um den Kauf des Geburtshauses von Benedikt XVI.  mit zu finanzieren. Könnten die Bistümer den Kaufpreis nicht selber aufbringen? Für dringende neue Lehrerstellen fehlt das Geld. Pisa lässt grüßen! Ja, wir haben sehr viel gegen das Machtinstrumentarium, über das die großen Kirchen verfügen und werden weiter für Trennung von Staat und Kirche kämpfen.  Natürlich haben wir auch nichts gegen Muslime, soweit sie die Menschenrechte und unser Grundgesetz einhalten. Wir haben allerdings etwas gegen fanatische Islamisten, die die Scharia einführen und damit Staat und Gesellschaft zu beherrschen suchen, den Einzelnen von ihren Glaubensvorstellungen abhängig machen möchten und zum Beispiel einen Religionswechsel mit dem Tode bestrafen wollen.

Mensch sein unter Menschen bedingt Toleranz gegen unterschiedliche Glaubensrichtungen, aber vor allem auch Toleranz gegenüber Nichtgläubigen.

Verstand und Vernunft sind bei uns gefragt, Menschlichkeit. Wir vom Bund für Geistesfreiheit versuchen seit Bestehen unserer Bewegungen, auf dem Hintergrund des Humanismus und der philosophischen Aufklärung ein menschliches Leben zu gestalten. Dadurch, dass wir nicht an ein Jenseits glauben, ist uns aufgegeben  d i e s e  Welt menschlicher zu gestalten. Tun wir, jeder auch für sich, unser Möglichstes dafür! Die Dichterin Kriemhild Klie-Riedel – die ich am Anfang schon zitierte - drückt das im einem anderen Gedicht so aus:

Warum ich bin

Mich schuf kein Schöpfergott,

kein Weltengeist.

Ich bin ein Zufallsmensch,

ein evolutionärer.

Nur trägt sich dieses Wissen

weitaus schwerer,

als wenn mich jemand

ein Kind Gottes heißt.

Denn so muss ich

dem blinden Zufallsleben

erst einen Sinn, den es

aus solcher Sicht nicht hat,

allein verantwortlich

an Gottes eigener Statt

nach eigenem Ermessen

selber geben.

Das fordert mich!

fern und vage.

Warum ich lebe?

Weil ein MENSCH ich bin

geworfen in die

Zufallsspanne Zeit,

Denkende Menschen sind fast immer "kritisch denkende" Menschen. Und solche fragen nicht nur. Sie hinterfragen und stellen auch in Frage und wollen auch als Konsequenz Veränderungen. Dadurch machen sie sich oft unbeliebt und fordern den Widerstand jener Kräfte heraus, die das Althergebrachte erhalten wollen. Das können Staaten, gesellschaftliche Gruppen oder auch Einzelpersonen sein. Veränderungen sind aber notwendig, um unseren Globus menschenwürdiger zu gestalten, um Ausbeutung und Vernichtung, um Kriege und Zerstörung unserer Umwelt zu verhindern. Gerade für junge kritische Menschen gibt es hier viel zu tun.

Hier möchte ich allerdings feststellen, dass kritische Anmerkungen nicht unbedingt bedeuten, dass man etwas selbst besser kann. Kritik um der Kritik Willen, kann auch schädlich sein. Unsere Kritik muss häufig scharf sein und trotzdem aufbauend. Sie muss vor allem Achtung vor dem Menschen zeigen. Sie muss menschlich sein.

Die Welt braucht viel mehr Menschlichkeit. Not, Elend und vor allem Kriege müssen eingedämmt werden, ebenso wie die Angst vor der Zukunft. Wir wollen Menschen sein unter Menschen in einer menschlicheren Welt. Dann wird es einen wirklichen Frühling für die Menschen geben. Vom Eise befreit sind dann nicht nur Strom und Bäche wie es Goethe ausdrückt, sondern die Menschen, die Menschheit.

Johann Wolfgang von Goethe schrieb für die Frühlingszeit seinen bekannten Osterspaziergang:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Ja, der Frühling soll kommen! Ich wünsche Ihnen allen eine gute Zeit, ein gutes Jahr - ein hoffentlich menschlicheres Jahr - und schließe mit den letzte Worten aus Goethes Osterspaziergang:

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

 

 

helmut.steuerwald@nefkom.net



[1] Kriemhild Klie-Riedel: „Ansichten einer ungeschminkten Frau“, IBDK Verlag Berlin, 1989. S.22.

[2] „Die Jugendweihe“ S. 77

[3] Michael Schmidt-Salomon: Manifest des evolutionären  Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße „Leitkultur“, Alibri Verlag, Aschaffenburg 2005. S. 156-159 (zusammengefasste Darstellung).

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Jahresbeginnfeier 2005


Helmut Steuerwald

 

 

Kampf der Kulturen

oder

Integration, Völkerverständigung und Humanismus

Die Zunahme des politisch-religiösen Fanatismus in der Welt von heute und die humanistische Alternative

 

 

Jahresbeginnfeier 2005

Bund für Geistesfreiheit (bfg) Schweinfurt

Am Sonntag, dem 2. Januar um 10:30 Uhr

in der Diele des Rathauses der Stadt Schweinfurt


Sehr geehrte Gäste, liebe Freunde! Zunächst wünsche auch ich allen Anwesenden ein gutes, friedliches Neues Jahr!

Besonders begrüßen möchte ich die Jubilare. Sie haben durch jahrzehn­telanges Wirken und Vorleben Ideale einer aufgekläfont-family:Arial;color:black">Wenn man es allzu sehr beschwert,

bricht es zu guter Letzt zusammen.

....

Es nützt nichts, und es schadet bloß,

sich tausend Dinge vorzunehmen.

Lasst das Programm! Und bessert euch drauf los![i]

Tatsache ist doch, dass wir einerseits mit bestens anmutenden Vorsätzen an das Neue Jahr herangehen, aber anderseits sehen - wie die Praxis zeigt - dass vieles, ja immer mehr Dinge für einen gro­ßen Teil der Menschheit sich negativer auswirken – auch für zahlreiche Menschen bei uns in Deutschland. Die Armut in der Welt, die Zerstörungen von Natur und Umwelt nehmen zu, Kriegsgefahren bedrohen alle, die Bildungsmisere wird in den meistern Ländern - auch bei uns - größer. Tatsache ist auch, dass die Schere zwischen Arm und Reich überall immer größer wird. Das schafft Hass! Die Empörung gegen die ungerechte Verteilung der Güter dieser Erde wächst.

Ohne eine Abkehr von der globalisierten, unmenschlichen, nur am Profit orientierten scheinliberalen Wirtschaftsordnung wird sich religiöser und politischer Fanatismus mit Terroranschlägen, grausamen Morden und Kriegen weiter verschärfen.

Die zunehmende Ungerechtigkeit auf dieser Welt führt eben dazu, dass Menschen fanatisch werden. Menschen, die keinen Ausweg mehr sehen ihre Lage zu verbessern - beispielsweise keine Hoffnung mehr haben im Diesseits satt zu werden und ein menschenwürdiges Le­ben führen zu können, diese Menschen werden fanatisiert, werden fundamenta­listischen Gruppierungen in die Arme getrieben. Sie sind fähig Selbstmordattentate zu verüben, im Glauben, sich und ihren Familien damit in einem gedachten Jenseits Erlösung zu bringen.

Die gewachsenen Spannungen in der Welt werden von religiös-fanatischen Gruppen missbraucht, um ihr eigenes Süppchen zu kochen. Und zwar sowohl im Islam, wie im Chris­tentum als auch in anderen Religionen. Diese Gruppierungen nehmen sich häufig der Ärmsten an (das sollten wir nicht verkennen), zeigen sich aber aggressiv gegenüber anderen religiösen oder auch nichtreligiösen Menschen. Sie suchen die Schuld nur beiläufig im allgemeinen wirtschaftspolitischen Geschehen. Besonnene religiöse oder nichtreligiöse Vereinigungen versucht man zurückzudrängen, wie es besonders durch fundamentalistische christliche Gruppen in den USA geschieht. Ähnliches passiert auch in Ländern des Islam, im Judentum und im Hinduismus.

Durch die gegenwärtige wirtschaftliche Entwicklung werden die Bildungschancen für ärmere und einfachere Menschen in vielen Ländern schlechter. Auch bekommt die vermittelte Bildung immer mehr eine technokratische, einseitig auf die Wirtschaft ausgerichtete Prägung. Die einseitige Bildung macht die Menschen unkritischer und in der Folge leichter manipulierbar. Fernsehen und Presse und die dahinter stehenden internationa­len Medienkonzerne samt Agenturen, die mit geschulten psychologi­schen Kräften arbeiten, sorgen für eine entsprechende Beeinflussung.  Dies gelingt um so leichter, je niedriger der allgemeine Bildungsstand ist. Durch fehlendes Wissen fallen die Men­schen den unterschiedlichsten Glaubens­vorstellungen und Phantastereien zum Opfer. Wirkliche Information kommt meist nicht zum Tragen. Zusammen­hänge werden häufig nicht geklärt, und es wird einseitig informiert – auch in demokratischen Ländern. Das soll nicht heißen, dass es unter Berichtserstattern und Journalisten keine kriti­schen Einstellungen gibt, aber deren Beiträge findet man zu den Hauptsendezeiten im Radio oder Fernse­hen selten, am wenigsten bei Privatsendern, und die wenig anspruchsvolle Boulevardpresse bringt sie überhaupt nicht. Schon sorgt die Angst um den Arbeitsplatz bei vielen Journalisten dafür, dass die „Schere im Kopf“ funktioniert und folglich kritische Berichtserstat­tung nicht mehr zustande kommt. Demokratie wird vielerorts häufig zur Farce. Denken wir nur an die Berichtserstattung über den Irakkrieg in den USA. Unpatriotisch galt und gilt auch heute noch, wer sich nicht auf Bush-Krieger-Linie einschwören ließ. Der Präsident hatte ja be­tont: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns". Für ihn ist dieser Krieg ein „Kreuzzug", ein „Krieg gegen das Böse", gegen das Gottlose. Journalisten, die sich nicht unterwarfen und kritisch über Hintergründe berichteten, wurden ent­lassen, galten als unpatriotisch, gottlos, ja als Vaterlandsverräter. Demo­kratie wird dadurch – wie gesagt – zur Farce, die Regierung der USA zu einer religiös verbrämten Oligarchie, in der vor allem die Finanz-, Waffen- und Ölmagnaten, aber auch ausgewählte religiös-fundamentalistische Kreise das Sagen haben. Diese stärker gewordenen religiös­-fundamentalistischen Gruppierungen haben in den USA mehr denn je Einfluss auf die Politik. Präsident George W. Bush steht diesen Gruppen nahe, wird von ihnen hofiert. Bush selbst sagt ja, er sei einer der "Wiedergeborenen". Ob­wohl die fundamentalistischen Gruppen eine Minderheit bilden, ent­scheiden sie im Einklang mit den Wirtschaftsbossen die Politik der USA. Für sie gelten die USA als das von "Gott auserwählte Land", und mit Begrif­fen wie Patriotismus versucht man die Menschen einzuschwören auf an­gebliche gemeinsame Ziele im Kampf gegen das Böse, gegen den Teufel, den Antichrist. Ja, man ist bereit Kreuzzüge zu führen.

Politik sollte in einer Demokratie die Wirtschaft unter Kontrolle halten können und vor allem Auswüchse verhindern. Wir erleben aber immer mehr, dass die Wirtschaft die Politik im Griff hat. Wir spüren im­mer mehr eine Oligarchie, genauer eine Plutokratie: die Herrschaft einer kleinen wirtschafts- und finanzstarken Oberschicht über die Mas­se des Volkes. Sicherlich sehen wir dies an erster Stelle in den USA, aber auch bei uns. Demokratie wird dadurch immer mehr zur Farce, ein Grund, warum sie von vielen Menschen nicht mehr erst genommen wird.

Die reiche Oberschicht in den USA unterstützt wirtschaftlich und psychologisch massiv konservative, religiös-fundamentalistische Gruppierun­gen und sorgt dafür, dass religiöse Extremistengruppen medienwirksame Auftritte erhalten. Diese Leute haben der Regierung Bush mit der billigen Patriotismus-Parole zum Sieg verholfen. Sie unterstützen vor allem auch die Kriegspolitik. Susan Sontag, die vor ein paar Tagen verstorbene amerikanische, humanistisch denkende Schriftstellerin warnte die Nation immer wieder vor kraft­meierischem Patriotismus, der das kritische Denken verbietet.

Auch bei uns in Deutschland versucht man mit dem billig angewandten Begriff "Patriotismus" - nicht zu unrecht spricht der bekannte Kirchenkritiker Karlheinz Deschner vom "Patrioidiotismus" - Menschen zu ködern. Weil wir eine natürlich gewachsene Heimatliebe haben, will man uns mit einem oft dümmlichen, intoleranten und inhumanen, nationalistischen oder pseudoreligiö­sen Patriotismus einzulullen. Damit verbunden ist auch der verwaschene Begriff der "Leitkultur". Mit solchen Begriffen wird man den Problemen unserer Zeit nicht gerecht! Erst recht leitstet man damit keinen Beitrag zur Integration der Ausländer.

Was soll dieser Begriff "Leitkultur" überhaupt?  Welche Leitkultur ist es?

Ist es das "Christentum", das diese "Leitkultur" verkörpert, uns als Patrioten erscheinen lässt? Mit Kreuzen in den Gerichtssälen und Schulen? Ist es die deutsche Geschichte mit Eroberungen, Kreuzzugskriegern, Zwangschristianisierun­gen, mit Hexenverfolgungen, allgemeiner Unterdrückung der Frauen, mit der Verfolgung und Intoleranz gegenüber Andersdenkenden – zum Beispiel immer wieder gegenüber den Juden?  - Da ist die Unterdrückung anderer Völker, sind zwei Weltkriege und das NS-Regime, das Millionen Menschen – meistens Juden – ermordet hat. Die Angehörigen der Deutschen Wehrmacht trugen in beiden Weltkriegen, im kaiserlichen wie in dem vom NS-Regime geführten, am Koppelschloss ihrer Gürtel den Ruf "Gott mit uns". Womit natürlich der christliche Gott gemeint war. Ist das unsere Leitkultur?

Andererseits hat Deutschland natürlich auch hervorragende kulturelle Entwicklungen erlebt – wenn auch meist gegen staatliche und kirchliche Obrigkeit. Natürlich ist unser Deutschland auch das eines Lessing, Goethe, Heine und Schiller, das von Bach, Beethoven oder Mozart, von Kant und Feuerbach, Marx und Engels, Tucholsky und  Ossietzky und einer Vielzahl weiterer bedeutsamer, hu­manistisch denkender Persönlichkeiten. Doch stan­den diese  fast immer im Gegensatz zur offiziellen Kultur, wenn man so will zur "Leitkultur". Es ist z.B. kaum vorstellbar, dass etwa die CDU-CSU in ihre Christliche-Werte-Diskussion Goethe mit einbezieht. Sagte dieser doch über die christlichen Kirchen:

"Glaubt nicht, dass ich fasele, dass ich dichte;

Seht hin und findet mir andre Gestalt!

Es ist die ganze Kirchengeschichte

Mischmasch von Irrtum und Gewalt.“[ii]

Oder:

Die Kirche hat einen guten Magen,

Hat ganze Länder aufgefressen,

Und doch nie sich übergessen;

Die Kirch' allein, meine lieben Frauen,

Kann ungerechtes Gut verdauen.“[iii]

Dies nur als Beispiel.

Mit Begriffen wie Leitkultur oder Patriotismus sollte man nicht die Gefühle der Menschen missbrauchen, um sie besser manipulieren zu können.

Natürlich lieben wir unsere Heimat. Sie ist dort, wo ich mich wohlfühle, wo ich Wurzeln habe, Sprache und Kultur gelernt habe. Dort habe ich Men­schen, die mir nahe stehen, unabhängig von ihrer Hautfarbe, eigenen Kulturgeschichte oder religiösen Anschauung – soweit diese auf Toleranz gegründet ist. Heimat ist, wo ich Menschen vorfinde, mit denen ich sprechen, gemeinsame Interessen pflegen oder gemeinsam etwas tun kann, wo ich helfe und Hilfe bekomme, wo kultureller Austausch stattfindet. Und zwar unabhängig von der Nationalität. Ausländer, besonders solche, die schon lange hier sind, welche die deutsche Staatsangehörigkeit haben oder haben wollen, sollen dieses Land ebenfalls lieben können; sollen sich hier wohlfühlen, es als erste oder zweite Heimat empfinden.

Den Begriff "Integration" an die Stelle von "multikulturelle Gesellschaft" setzen zu wollen, halte ich für absurd. Nach meiner Auffassung entwickelt sich beides gleichzeitig. Natürlich müssen wir uns viel stärker dafür einsetzen Ausländer zu integrieren: Ausländische Mitbürger sollen die deutsche Sprache erlernen, unsere Geschichte und Kultur erfassen.

(Beim Mittragen unseres kulturellen Erbes hapert es ja leider auch bei vielen deutschen Mitbürgern.) Ausländer müssen selbstverständlich - wie wir alle - das Grundgesetz einhalten. Grundrechte wie die Gleichberechtigung der Frau, das Recht auf Schulbildung oder auch das Recht auf Religionsfreiheit muss selbstverständlich auch für sie gelten, soweit dabei Menschenrechte nicht verletzt und die Verfassung einhal­ten wird. Ähnliches gilt für andere Rechte und Pflichten. Ausländer müssen ohne Angst hier leben können, wenn sie ohne Wenn und Aber ihre verfassungsmäßigen Rechte und Freiheiten in Anspruch nehmen. Natürlich ist hier bei uns kein Platz für fundamentalistische und terroristische Anschau­ungen. Das sagen wir aber nicht nur Anhängern des Islam, es gilt ebenso für das Christentum und andere Religionen.

Ausländer haben - unabhängig von der Frage der Integration - ein kulturelles Erbe aus ihrer Heimat mitgebracht, dass sie pflegen und auch weiter vermitteln. Dabei erleben wir das Multikulturelle: Was haben wir Deutsche nicht schon alles aus anderen Völkern angenommen - ja auch das macht "deutsche Kultur" aus. Schauen wir z. B. das Konglomerat unserer Sprache an: Sie enthält altgermanisches und keltisches, lateinisches, griechisches und hebräisches Wortgut. Später kamen russische, französische oder italienische Begriffe hinzu, und in den letzten 50 Jahren vor allem englische – gelegentlich auch schon türkische. Alles ist durchmischt, so dass nur Sprachwissenschaftler den Ursprung eines Wortes noch erkennen können.

Wie habe ich neulich im Internet gelesen:

Dein Christus: ein Jude,

Dein Auto: ein Japaner,

Deine Pizza italienisch,

Deine Demokratie griechisch,

Dein Kaffee brasilianisch,

Dein Urlaub türkisch,

Deine Zahlen arabisch,

Deine Schrift lateinisch.

Und Dein Nachbar nur ein Ausländer?

So ist das mit der Multikultur. Uns können andere Kulturen bereichern, so wie wir Deutsche als Auswanderer im Laufe der Jahrhunderte auch andere Kulturen bereichert haben, ob in Russland, Amerika oder sonst- wo. Es ist auffällig, dass ausgerechnet reaktionäre Kreise - die sich bei uns gegen das Multikulturelle wenden - im Ausland das Deutschtum betonen, sich dort für deutsche Minderheiten, deutsche Kolonien, deutsche Kirchengemeinden einsetzen.

Die Völker dieser Welt können und müssen voneinander lernen, be­sonders in einer globalisierten Welt. Integration und multikulturelle Ver­hältnisse sind kein Widerspruch - beides gehört zusammen wie zwei Seiten einer Medaille. Kein Kampf der Kulturen sondern ein Miteinander ist wichtig. Dabei gilt es, das Positive aus der Ver­gangenheit und Gegenwart der jeweiligen Kulturen herauszustellen und zu pflegen. Für uns Deutsche heißt das aber auch, dass wir uns mit unserer kulturellen Vergangenheit befassen, und dass diese in den Schulen hinreichend vermittelt wird.

Wichtig für alle Erdenbewohner ist die Einhaltung der Menschen­rechte, ist die Achtung der Würde des Menschen. Die in der "Charta" der Vereinten Nationen verankerten Rechte sind viel­fältig. Mit dabei ist Religionsfreiheit - und das ist gut so. Nur: Dieses Recht darf nicht über andere Rechte und Freiheiten gestellt werden. Wir können deshalb nicht dulden, auch auf Grund unseres Grundgeset­zes nicht, dass Frauen weniger Rechte haben als Männer, wie das von engstirnigen Islamisten, aber auch von engstirnigen Christen gehand­habt wird. Wir können auch nicht hinnehmen, wenn Fremdenhass geschürt oder An­dersgläubige diffamiert werden. Eine Bevorzugung bestimmter Glaubens­richtungen darf es einfach nicht geben. Die Privilegien der Kirchen müssen be­seitigt und eine klare "Trennung von Staat und Kirche" geschaf­fen werden; ohne sie kommt es zu gesellschaftlichen Spannungen. Es kann na­türlich auch nicht sein, dass Islamisten Nichtgläubige diffamieren – ganz gleich, ob es sich dabei um Christen, Juden, Atheisten oder Muslime mit abweichender Einstellung handelt. Hassprediger jeglicher Couleur sind zu bekämpfen. Berechtigte Kritik an Religionen und Weltanschauungen, vor allem an deren Institutionen, muss freilich erlaubt sein; sie sollte stets sachlich sein und auf die Menschenwürde bedacht.

Wir machen uns Gedanken, ob die vom Islam geprägte Türkei der EU beitreten kann oder nicht. Entscheidend dabei ist, wie es dort um die Menschenrechte steht. Wir sind uns im Klaren, dass sich da noch manches ändern muss. Bedenken wir: Die Türkei hat ein schweres Erbe hinter sich, sie ist bemüht moderner zu werden und den Menschenrechten Gewicht zu verleihen. Manches hat sich bereits gebessert - auch wenn es noch viel zu tun gibt. Unsere Aufgabe ist m. E. das Land zu unterstützen, damit es den Richtlinien der EU gerecht werden kann. Machen wir uns nichts vor: Die USA  z.B. - die uns immer wieder als "Musterland" der Demokratie präsentiert werden – würden die EU-Kriterien keinesfalls erfüllen. Dort werden die Menschenrechte derzeit missachtet. Die Bush-Administration benützt die Folter, und auf Guantanamo werden Menschen festgehalten, denen man jegliche Men­schenrechte verweigert. Von allen Ländern der Erde wenden die Vereinigten Staaten mit am häufigsten die Todesstrafe an. Das Kioto-Abkommen wird ignoriert, ja mit Füßen getreten. Zwar ist die Pressefreiheit gesetzlich verankert, aber praktisch total unterminiert. In den USA sitzen heutzutage etwa 2 Millionen Menschen in Gefängnissen, darunter eine Vielzahl Jugendliche, ja sogar Kinder. Prozentual auf die Bevölkerung umgerechnet sind das mehr Gefangene als es zum Beispiel in der Sowjetunion unter Stalin waren. Das ist eine grausam hohe Zahl. Diese Menschen sind natürlich keine politischen Gefangenen; die meisten hat man wegen kleiner Wirtschaftsvergehen bestraft. Auffallend hoch ist dabei der Anteil der Farbigen, da diese oft wegen Bagatell-Delikten meist viel schärfer bestraft werden als die Weißen.

Und in Deutschland? Bei uns sind unter der jetzigen Regierung – und das muss uns in Erstaunen setzten – die Unterschiede zwischen Arm und Reich stark gewachsen. Besonders schlimm ist auch, dass die Kinder- und Jugendarmut in den letzten Jahren gewaltig zugenommen hat. Zudem haben sich die Bil­dungschancen für die Ärmeren wesentlich verschlechtert. Anderseits: Millionäre und Multimillionäre samt deren Vermögen ­nehmen ständig zu. Hinter den USA ist Deutschland da inzwischen auf Platz 2 in der Welt gerückt - und das angesichts des geringen Wirtschaftswachstums. Von diesen heutigen Reichen besitzt also jeder tausend Millionen Dollar. Muss das sein?

Für diese Entwicklung sind sicherlich internationale Zusammenhänge, Globalisierungsgründe mit ausschlaggebend. Trotzdem - so etwas dürfte  unter einer sozialdemokratischen Regierung nicht passieren. Dass es bei einer konservativen Regierung nicht besser wäre, sollte uns allerdings auch klar sein.

Es wird Zeit, dass wir umdenken. Nicht die Wirtschaftsinteressen einiger Weniger, aber auch nicht die religiösen Vorstellungen einiger fanatisierter Gruppen - oft fällt beides zusammen - dürfen die Weltpolitik oder auch unsere Politik bestimmen.

Die Zeitalter des Humanismus und vor allem das der Aufklärung haben Tole­ranz, Menschenwürde, haben die Menschrechte, haben den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit gefordert. Tun wir alles, damit diese Ziele nach Jahrhunderten endlich voll zum Tragen kommen. Die schlim­men Gegensätze zwischen Arm und Reich zwischen den Län­dern und in den Ländern selbst müssen beseitigt werden. Verstand und Vernunft, Kritikfähigkeit, Menschlichkeit müssen in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns gestellt werden. Wissen statt Glauben muss ver­mittelt werden durch eine umfassendere Bildung.

Ein besseres Leben kann es nur in einer friedlichen Welt geben, in einer Welt mit Toleranz, in einer Welt, in der die Gegensätze abgebaut werden.Tun wir alles dafür! Solidarität ist weltweit gefragt - nicht nur bei Ka­tastrophen wie den uns alle schockierenden, schlimmen Überflutungen vor einer Woche. Selbstverständlich: Die Opfer dieser einmali­gen Flutkatastrophe müssen dauerhaft unterstützt werden. Wir müssen mithel­fen, dass diese Menschen wieder bzw. überhaupt ein dauerhaft menschenwürdiges Leben erhalten. Helfen wir auch, dass es auf dieser Erde überall menschlicher zugeht. Krieg und Armut müssen weltweit zurückgedrängt werden.

Das Jahr 2004 stand gerade für uns freigeistige Menschen in Erinne­rung des 200. Geburtstages des großen aufklärerischen Phi­losophen Ludwig Feuerbach. Seine Ideen sind gerade auch für die Gegenwart von Bedeutung. Sie sind wichtige Bausteine, wenn es darum geht, unsere Welt humaner zu gestalten. Zum Schluss möchte ich Ihnen deshalb zwei Zitate des Philosophen mit auf den Weg ge­ben:

"Ich will heißt: Ich will glücklich sein. Den Glückseligkeitstrieb des Menschen heißt den Willen des Menschen unterdrücken... Nur die auf den Glückseligkeitstrieb - freilich nicht einiger, sondern aller ­gegründete Freiheit ist eine volkstümliche und darum unwidersteh­liche Macht.“[iv]

Und ein weiterer Ausspruch Ludwig Feuerbachs:

"... und wünsche nur, dass ich die... Aufgabe nicht verfehlt habe,... Sie aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden, aus Gläubigen zu Denkern, aus Betern zu Arbeitern, aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits, aus Christen, welche ihrem eigenen Be­kenntnis und Geständnis zufolge ,halb Tier, halb Engel' sind, zu Menschen, zu ganzen Menschen zu machen."[v]

 



[i] Erich Kästner: Gesammelte Schriften, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main, ©Atrium Verlag Zürich, 1958. Band l Gedichte, S. 313, Aus: „Spruch für die Silvesternacht"

[ii]Goethe: "Werke, 4. Band", G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1881, S. 220 (aus: "zahme Xenien")  

[iii] Goethe: "Werke, 5. Band", G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung. Berlin.1881. S. 101.

[iv]Zitiert in: ,Aufklärung und Kritik", 1/2004, S .175. Aus dem Aufsatz von Alfred Kröner M.A. (Oberasbach):"Ein Philosoph wird zu Grabe getragen.“

[v] Zitiert in: Hermann Kraus (Zusammenstellung): "Ludwig Feuerbach - Kurzgefasste Zitatenauslese ABC Praxis und Theorie des atheistischen Humanisten für das 20. und 21. Jahrhundert", 3. Auflage 2001, Eigendruck, S. 9/10 (Zitiert aus „Vorlesungen über das Wesen der Religion“).



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Jahresbeginnfeier 2003


Zum Jahreswechsel 2002/2003

Vortrag von Prof. Dr. Herbert Wiener am 29.12.2002 in der Rathausdiele Schweinfurt

 

Herr Vorsitzender, liebe Gesinnungsfreundinnen und –freunde,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

„Religion und Wissenschaft – Feuer und Wasser?“ lautet das Thema meines heutigen Vortrages zur Jahresabschlussfeier unseres Bundes mit Ehrung von Jubilaren. Zu diesem Thema möchte ich Ihnen einige Überlegungen und Thesen vortragen.

 

-         Wie nicht anders zu erwarten, wurden wir über die Feiertage auch in nahezu allen Programmen mit Filmen konfrontiert, die jedem wissenschaftlich-historischen Anspruch spottend an christlich-missionarischem Eifer kaum zu überbieten waren:

 

-         Krippenspiele am Heiligen Abend, pseudo-wissenschaftlich theologisch-professoral untermauert, wie Jahre vorher bereits monumentale Filme wie „Jesus“, „Die Bibel“, „Moses“ und „Josef“, - verfilmt von der Kirch-Gruppe in Deutschland und der Quinta-Gruppe in Italien zu Zeiten, als sie noch an die großen TV-Gewinne glaubten.

 

-         Über die Kreuzzüge, die Hexenverfolgung durch die „heilige Inquisition“, die Verbrennung der Andersdenkenden = Ketzer, die Judenverfolgung (= die Andersgläubigen) sieht man, zumindest in dieser Zeit, wenig.

 

Ich möchte mich aber nicht einseitig mit der christlich-römischen Kirche befassen, sondern auch einen summarischen Blick auf andere Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften und auf Sekten werfen.

 

Seit Menschen über Menschen berichten, ist von höheren Wesen – gemeinhin Götter genannt – und den Umgang mit ihnen, im allgemeinen verkürzt als Glaube bezeichnet, die Rede. Wissenschaftlich zugänglich sind alte Schriftrollen aus China, die über Buddha, Tao und Lao-tse berichten, Papyrus- und Pergament-Schriftrollen aus Ägypten und Phönizien, Höhlen- und Wandzeichnungen aus der Vorzeit oder aus Tempeln, Schriftzeichen, Runen, Hieroglyphen und aber Tausende von Ausgrabungsergebnissen von Forschern rund um den Globus. Die schriftlichen Aufzeichnungen auf Papier und Leder, ob z.B. Bibel oder Koran, sind zwar am deutlichsten und häufigsten, - gleichzeitig aber auch die am leichtesten Verfälschbaren.

 

Zu den ältesten bekannten Religionen, von denen wissenschaftlich verwertbare Zeugnisse existieren, zählen die Weltanschauungen der Ägypter im so genannten Alten Reich und der Chinesen in den ersten Dynastien. Interessant ist, dass die Forscher festgestellt haben, dass diese Perioden über ein erstaunlich hohes Wissen verfügten.

 

Bei den alten Ägyptern waren es vor allem die Geometrie und die Sternkunde, bei den alten Dynastien in China, immerhin mehr als 3 Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung, die Kenntnisse der Chemie und der Heilkunde, die außerordentlich hoch entwickelt waren.

 

Man kann davon ausgehen, dass diese Religionen der Entwicklung der Wissenschaft einen breiten Raum einräumten und sie sogar in den genannten Bereichen, wohl wegen Kriegsvorteilen, förderten. Allerdings darf davon ausgegangen werden, dass die ägyptischen Pharaonen, die sich – wie die römischen Cäsaren oder Sektengründer in unserer Zeit ebenso – gleich selbst zu Göttern erklärten, dieser Wissenschaftsfreiheit hinsichtlich ihrer eigenen Person enge Grenzen setzten.

 

Sowohl im Zen-Buddhismus in Japan als auch der Buddhismus in Indien und China waren Religionen der Mächtigen für die Massen. Die Geburt entschied über die Zugehörigkeit zur jeweiligen Schicht oder Kaste und je nach Lebensweise des Einzelnen konnte die Wiedergeburt ihm nach seinem Tod ein neues Leben in einer besseren Schicht ermöglichen.

 

Auch die jüdische Religion räumte der Wissenschaft einen hohen Rang ein. Die semitischen Völker, insbesondere die Hebräer, förderten wissenschaftliche Talente in ihren Reihen. Philister zu sein, Angehöriger der Verwaltung, war eine hohe Auszeichnung und erforderte Lese-, Schreib- und Menschenkenntnisse. Familien mit wissenschaftlich gebildeten Mitgliedern – häufig auch wegen ihrer wissenschaftlich begründeten Vorhersagen als Propheten bezeichnet – genossen hohes Ansehen.

 

Diese wissenschaftsfreundliche Grundeinstellung in der jüdischen Religion ist nach Auffassung namhafter Historiker auch einer der Gründe, warum insbesondere viele Erfinder und Entdecker im Zeitalter der technischen Revolution jüdischen Glaubens waren.

 

In der griechischen und römischen Götterwelt etwa 800 vor bis 300 Jahre nach unserer Zeitrechnung gab es zwar mit Zeus und Jupiter höchste Gottheiten, aber ihnen standen noch unzählige andere Götter an der Seite, einschließlich der jeweiligen weltlichen Herrscher selbst. Insbesondere die Griechen hatten einen hoch entwickelten Sinn für die Wissenschaft. Ihm verdankten wir auch noch heute unzählige wichtige Erkenntnisse in der Mathematik, der Physik und der Philosophie. Die Vielzahl der Götter scheint gleichbedeutend mit der Wissenschaftsfreiheit zu sein.

 

Während die Völker im rauen Norden ebenso wie die Wandervölker des Ostens zwar eine höchste Gottheit, daneben aber noch eine Vielzahl anderer Götter hatten, entwickelte sich aus dem Urchristentum Kleinasiens heraus das Christentum in Rom weiter. Es zeichnete sich, wie später auch der Islam, durch die Beschränkung auf einen Gott aus – wenngleich das Christentum sich mit seiner Interpretation der „Dreifaltigkeit“ = eines Gottes in drei Gestalten, schwer tun, wissenschaftlichen Ansprüchen standzuhalten.

 

Durch den Sieg Kaiser Konstantins wurde das Christentum im 3. Jahrhundert zur römischen Staatsreligion und durch die Vormachtstellung Roms am Vorabend der ersten großen Völkerwanderung schnell in ganz Europa verbreitet. Der Bischof von Rum wurde als Papst oberster Prophet des Christentums und durch die gewaltsame Verbreitung dieser Lehre über nahezu zwei Jahrtausende zu einer auch weltlich mächtigen Institution.

 

Im päpstlichen Christentum schien die Beschränkung auf die unbeschränkte Allmacht einer Führungsperson nur durch strenge und vielfältige Verhaltensregeln für den Verwaltungsapparat und die Gläubigen abzusichern zu sein. Jede Abweichung von der „römischen Linie“ wurde nicht nur bei Glaubens- und Sittenfragen grausam verfolgt. Die Angst, dass Veränderungen zu einem Machtverlust für Rom führen könnten, führte soweit, dass alle Lehren, die eine andere Auffassung vom herrschenden Weltbild auch nur als möglich erschienen ließen, als ketzerisch und gotteslästerlich verfolgt wurden.

 

Bekannte Beispiele hierzu sind

-         Die Verfolgung von Galileo Galilei, Nikolaus Kopernikus, Giordano Bruno, Johannes Kepler, Georg Darwin im Bereich der Naturwissenschaften

-         Die Verfolgung der Arianer, Katharer, Hussiten, griechischen und russischen Orthodoxen und Protestanten, Prof. Küng, Pater Willigis u.v.m. als Abweichler von der reinen römisch-christlichen Lehre, der Juden und Mohammedaner, der Afrikaner, Indios und Indianer und später der Sozialisten und Kommunisten als Erzfeinde jeglichen Christentums

-         Die Benachteiligung von Frauen, nicht nur durch das Zölibat und der weltweite Kampf gegen Homo- und Heterosexuelle und gegen die sichere Empfängnisverhütung

 

Aber auch in der Lehre vom Kommunismus, der neuen Weltanschauung des 19. und 20. Jahrhunderts sind bei den Päpsten dieser Lehre, dies sind die 1. Vorsitzenden der Zentralkomitees der Partei, nahezu gleiche Tendenzen festzustellen: Von Stalin über Mao über Castro über Mugabe und die Kardinäle der russischen Satellitenstaaten reihen sich Verfolger an Verfolger.

 

Die Frage drängt sich auf: Können sich im modernen Zeitalter der unbeschränkten Kommunikation Religionen bzw. Weltanschauungen mit solchen Merkmalen noch halten?

 

Leider bedeutet unbeschränkte Kommunikation nicht nur Information, sondern auch Manipulation. Nicht ohne Grund versuchen die rückschrittlichen Kräfte sich ihre Mediengewalt zu sichern, gleichermaßen wie die Mun-Sekte oder Scientology oder andere.

 

Aber trotzdem wird insbesondere die Jugend versuchen, sich über die unterschiedlichen Weltanschauungen ein vergleichendes Bild zu machen. Und es wird ihr auffallen, wenn sie feststellt, dass von den traditionellen Religionen jede behauptet, dass in ihr allein das Heil liege. Hier liegt auch eine Chance und eine Aufgabe für unseren Bund, durch eigene Öffentlichkeitsarbeit auf unsere global ausgerichteten Ziele aufmerksam zu machen.

 

-         ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben für die Menschen aller Völker, Rassen und Nationen dieser Erde zu erreichen, und zwar im Diesseits!

-         Die freie Entfaltung aller Weltanschauungen und politischen Systeme zu fördern, soweit ihnen nicht totalitäres Denken und Unterdrückung anderer zugrunde liegen.

-         Und die natürlichen Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen für uns und unsere Nachkommen zu erhalten.

 

Aber wir wissen alle: Die Mehrheitsreligionen haben die Rituale und Traditionen der jeweiligen Völker in ihre Erscheinungsform mit einbezogen und hinterlassen vorsätzlich den fälschlichen Eindruck, als würden diese Feste, Feiern und Rituale ihren Glauben entspringen. Und was sich so über Generationen in den Menschen verfestigt hat, ist nicht innerhalb weniger Jahre wieder rational zurechtzurücken.

 

Die Unterdrückung des freien Strebens nach Wahrheit, der Ersatz wissenschaftlicher Betrachtung durch starre Glaubensgebote – jeweils im Interesse der gerade Herrschenden – ist so alt wie die Menschheit selbst. Und immer erst dann, wenn als Glaubenskrieg getarnte Machtgier in einer Katastrophe endet, nehmen sich die Überlebenden vor, es künftig besser zu machen.

 

Ein Jahreswechsel ist aber auch Anlass zurückzuschauen, in welcher Weise sich die Welt fortentwickelt hat, entsprechend den Grundsätzen, Zielen und Aufgaben, denen wir uns als Mitglieder des Bundes für Geistesfreiheit verpflichtet sehen:

 

-         Sicher war es ein tolles Gefühl, dass Deutschland Vize-Weltmeister im Fußball wurde- und ganz ohne Ironie meine ich das auch, dass die Gleichgewichtigkeit der Fußballmannschaften aus allen Kontinenten – Australien noch ausgenommen – ein nicht unwichtiger Beitrag zur Völkerverständigung war.

Dies erleben wir aber in noch schönerer Form bei den Spielen der europäischen Champions-League, in denen in fast allen namhaften Mannschaften Spieler unterschiedlichster Nationen und Rassen bunt zusammengewürfelt und gut bezahlt dem Runden Leder hinterherrennen.

 

-         Von unschätzbarer Bedeutung ist das Zusammenwachsen der Staaten Europas, die sich noch vor wenig mehr als einem Jahrzehnt mit Atomwaffen bedrohlich gegenüberstanden – mit dem anspruchsvollen Ansatz, unter Leitung des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Valery Giscard d´Estaing den Entwurf für eine europäische Verfassung schaffen.

 

-         Nicht so publikumswirksam, für die Betroffenen aber um so wichtiger, war und ist die schwierige, aber doch schrittweise Normalisierung auf dem Balkan nach dem Ende des furchtbaren Krieges im Kosovo.

 

-         Ein großer menschlicher Erfolg ist die Beendigung des Völkermords in Ost-Timor, die Durchführung des Volksentscheids zur Selbstständigkeit sowie demokratische Wahlen durch die UNO.

 

-         Ob es für künftige Diktatoren eine Abschreckung ist, sei dahin gestellt, gleichwohl ist die Einrichtung und Internationale Anerkennung eines Welt-Gerichtshofes für Menschenrechtsverletzungen in Den Haag, mit bisher erfolgreicher Verfolgung und Verurteilung bekannter Mörder aus dem Balkankrieg, ebenfalls ein großer Erfolg der Völkergemeinschaft UNO. Leider sind die USA und Russland noch nicht bereit, den Gerichtshof anzuerkennen – sie mögen ihre Gründe haben.

 

-         Für den Weltfrieden, vor allem aber für alle muslimischen Frauen von großer Bedeutung war die Beendigung des Terrorregimes der Taliban in Afghanistan und die weltweite Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus, sowie die gleichzeitige Zurückhaltung von immer mehr Staaten, sich bedingungslos und ohne UNO-Mandat an einem durchsichtigen Kriegsmanöver des amerikanischen Präsidenten Bush „gegen die Achse des Bösen“ zu beteiligen.

 

Damit beginnt aber auch die Darstellung der Rückschläge:

 

-         Die Kriegsmanöver der Amerikaner sind bereits weit mehr als Manöver und weisen beängstigende Merkmale eines Religionskrieges „Vereinte Christenheit gegen den bösen Islam“ auf. Gleichwohl darf man immer noch auf die Besonnenheit von erfahrenen Kräften in der amerikanischen Administration und im UNO-Sicherheitsrat hoffen.

 

-         Als schwerwiegender Rückschlag für alle bisherigen Friedensbemühungen in Nahost muss wohl auch die vom israelischen Ministerpräsidenten Sharon derzeit verfolgte Politik gegen die Palästinenser angesehen werden. Sie bietet keine Zukunftsperspektive für ein Zusammenleben von Israel mit seinen Nachbarn und gefährdet verbunden mit dem drohenden Krieg von Bush gegen den Irak in explosiver Weise den ohnehin labilen Zustand in Nahost.

 

-         Große Sorgen bereitet auch die Entwicklung des Konfliktes zwischen Russland und Tschetschenien. Terroranschläge in Moskau einerseits und Völkermord gegen Tschetschenen andererseits. Die große Gefahr dieses Krieges liegt auch darin, dass er sich zu einem Religionskrieg ausweitet und den fundamentalistischen Gruppierungen im Islam Auftrieb gibt.

 

Aber die unausweichlichen bevorstehenden Veränderungen in der Weltwirtschaft werden sich auf die politischen, gesellschaftlichen und ethischen Bereiche auswirken. Wir müssen darauf gewappnet sein und sind in der Lage, eine ethnische Orientierung anzubieten, in der sich alle Menschen dieser Welt wieder finden können. Wo andere nur den Kampf gegen Andersdenkende und die Verherrlichung ihrer eigenen Lehre anzubieten haben, da bieten wir das verantwortliche Miteinander als Ganzes an.

 

In diesen Veränderungen liegt also auch eine große Chance für uns.

 

Als sich unsere Jubilarin Else Weinshöfer – leider heute verhindert und durch ihre Tochter Ingrid vertreten, aber vielen hier bekannt als die einzige Schwester unseres verstorbenen Mitglieds und Landtagsabgeordneten Oskar Soldmann und auch Schwägerin des Alt-OB Georg Wichtermann – im Jahre 1927 in jungen Jahren entschloss, dem Bund für Geistesfreiheit beizutreten, der damals noch unter dem Begriff „Freidenker“ einen anderen Namen trug, hatte man in der Weimarer Republik gerade Hoffnung gefasst, dass sich nun alles zum besseren wenden würde.

 

Es gab keine „Fürsten von Gottesgnaden“ mehr, worauf sich die Erbfolge der Monarchien wie auf ein Dogma berufen hatten, um jegliche Teilung der Macht als Gotteslästerung brandmarken zu können. Und es gab die ersten Ansätze einer Trennung von Religion und Staat durch die Weimarer Verfassung. Der Sozialismus als Gesellschaftsform gleichberechtigter Bürger wurde nicht mehr nur als Vision, sondern als greifbare Staatsform angesehen. Die Demokratie begann unter Friedrich Ebert zaghafte erste Schritte zu wagen. Einstein, Sommerfeld und namhafte andere Wissenschaftler konnten in Deutschland befreit von kaiserlichen und religiösen Zwängen arbeiten.

 

Der Young-Plan mit 60-jährigen Reparationszahlungen für das zerstörte Deutschland und die amerikanische Überproduktionskrise mit dem verhängnisvollen 29. Oktober 1929, dem „Schwarzen Freitag“ an der Wallstreet, führten zu einem dramatischen Erstarken der Restauration. Die exportorientierten deutschen Unternehmen wollten unbedingt ihre Gewinne stabilisieren, reagierten unter Reichskanzler Brüning mit Massenentlassungen und Lohnkürzungen. – Erinnert uns nicht manches an die heutige Situation?

 

Natürlich wussten die rechts-konvervativen Kräfte, dass auch sie die Wirtschaftsprobleme in Europe, insbesondere im damaligen Deutschland nicht beseitigen konnten, aber durch Hugenbergs Presseimperium und die erstarkten Rechtsparteien verkörperten sie diesen Eindruck. In Wirklichkeit betrieben sie offen und versteckt bereits wieder Kriegsvorbereitungen, um sich so genannten „Lebensraum im Osten“ zu verschaffen. Dort hatte die Revolution 1917 zum Sieg der Kommunisten über den Zaren geführt.

 

Zur Unterstützung von Wirtschaft, Adel und Kirche zur Beeinflussung der Massen, brauchte man aber noch ein passendes Feindbild. Für Wirtschaft und Adel half das Feindbild „Kommunismus“, für die Kirche bediente man sich des Feinbildes des „Ewigen Juden“, der ja den Erlöser Christus ermordet hatte und somit Feind aller christlichen Kirchen war. Der Kampf um den Machterhalt von Kapital, Adel und Kirche hatte wieder einen religiösen Anstrich bekommen – der Krieg ließ nicht lange auf sich warten.

 

Als in der Nachkriegszeit und Anfang der 50er Jahre Anna Döppert, Wolfgang Handschuh, Manfred Raab, Elfriede und Gustav Rothe sowie Marga Sauerteig, geprägt von den Kriegsereignissen, Mitglied unserer Gemeinschaft wurden, war das versprochene „Tausendjährige Reich“ im Bombenhagel nach nur 12 Jahren zugrunde gegangen, über 20 Millionen Soldaten und Zivilisten, vor allem Deutsche und Russen verloren ihr Leben, von Deutschland blieb nur noch weniger als die Hälfte seines Gebietes übrig. Elend, Vertreibung und Not beherrschten die Nachkriegsjahre. Im westlichen Teil Deutschlands wurde ein zweiter Versuch der Demokratisierung begonnen – der, wie wir alle wissen – erfreulicherweise bis heute Bestand hat und vor mittlerweile 13 Jahren sogar auch die Rückkehr der ehemaligen DDR in das demokratische Deutschland mit sich brachte.

 

Und als dann Mitte der 70er Jahre Christel und Helge Erler, Else-Lore Krauss und unser derzeitiger Vorsitzender Friedrich Patzier zu unserer Gemeinschaft fanden, war es die Zeit, in der unter Willy Brandt und Helmut Schmidt Deutschland wieder zu einem geachteten Partner der Staatengemeinschaft in aller Welt wurde, als eine befürchtete dauerhafte durch C-Parteien religiös beeinflusste Regierung durch eine sozial-liberale abgelöst wurde, als gegen erbitterten Widerstand die Bekenntnisschule durch die Gemeinschaftsschule abgelöst und Ethik-Unterricht als Alternative zum christlichen Religionsunterricht staatlich anerkannt wurde.

 

Ich danke den Jubilaren und Jubilarinnen für ihren Einsatz und wünsche uns allen weiterhin kleine, aber kontinuierliche Schritte hin zur Verbesserung unseres globalen Zusammenlebens und allen ein erfolgreiches und gesundes Neues Jahr 2003.

 

 

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bfg Schweinfurt spendet für Humanistischen Kindergarten


Spende des bfg-schweinfurt für Humanistischen Kindergarten

Der Humanistische Kindergarten Fürth-Am Südpark konnte sich am 9. März über einen reichen Geldsegen freuen: Die Freunde vom Schweinfurter Schwesterverband brachten einen Scheck über eine stattliche Spende von 5.000 Euro vorbei. Der Betrag ermöglichte die Anschaffung der großen Kletterwand im Kindergarten, an der die Kinder begeistert herumturnen. "Das ist ganz im Sinne unseres freigeistigen Verbands, denn dadurch wird neben der Fitness auch Selbstvertrauen und Konzentrationsfähigkeit geschult", sagte der Vorsitzende des BfG Schweinfurt, Friedrich Patzier, anlässlich der Scheckübergabe. Erwachsene im Bild v.r.n.l.: Friedrich Patzier, Michael Bauer (HVD-Geschäftsführer), Martina Leupold (Kindergartenleiterin), Christine Calow (Elternbeirat), Hugo Belian (BfG Fürth), Wolfgang Günther (BfG Schweinfurt).



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